![]() |
Dienststelle für Personen mit Behinderung
|
![]() |
|||||||||||||||||||||||
|
Harald Mollers, Minister für Familie, Gesundheit und Soziales, anlässlich des Festaktes zum 20-jährigen Bestehen der DPB am 23.6.2010 im Ministerium der DG in Eupen: ![]() Sehr geehrter Herr Parlamentspräsident, sehr geehrter Herr Ministerpräsident, sehr geehrter Herr Gemeinschaftssenator, meine Herren Generalsekretäre, sehr geehrte Herren Bürgermeister, verehrte Frau Verwaltungsratspräsidentin, sehr geehrter Herr Direktor, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Dienststelle für Personen mit Behinderung, liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aller Einrichtungen und Vereinigungen, die eng in Verbindung mit der Dienststelle stehen, liebe Vertreterinnen und Vertreter der Öffentlichen Sozialhilfezentren verehrte Freunde der Dienststelle, werte Festversammlung, meine Damen und Herren, Ich freue mich, dass Sie so zahlreich hierher in den Europasaal des Ministeriums der Deutschsprachigen Gemeinschaft nach Eupen gekommen sind, um mit uns gemeinsam das zwanzigjährige Bestehen der Dienststelle für Personen mit Behinderung zu feiern. Es ist mir eine große Ehre, diese Jubiläumsrede zu halten. Nicht nur, weil ich selbst der Dienststelle als zuständiger Minister eng verbunden bin und weiß, wie unverzichtbar die von der DPB geleistete Arbeit für unsere Gesellschaft ist. Sondern weil ich die Gelegenheit nutzen möchte, Ihr unermüdliches Engagement zu würdigen. Unser Geburtstagskind ist ein – mittlerweile landesweiter – Erfolg. 20 Jahre Dienststelle für Personen mit Behinderung – das ist auch ein zwanzigjähriges Spiegelbild dessen, was wir in der Deutschsprachigen Gemeinschaft zu leisten im Stande sind. Viele Frauen und Männer haben sich vor über zwanzig Jahren dafür stark gemacht, damit die Dienststelle zu dem wird, was sie heute ist: eine professionelle Einrichtung für die Belange von Menschen mit einer Behinderung. Heute wollen wir in Erinnerung rufen, wie alles begann und wie sich die Dienststelle für Personen mit Behinderung entwickelt hat. Der Werdegang der Dienststelle ist von Herrn Heinen schon eindrucksvoll nachgezeichnet worden. Besser hätte ich die Leistungen der vergangenen zwei Jahrzehnte nicht auf den Punkt bringen können. Dieser Rückblick auf das Vergangene und die Vorausschau auf die Herausforderungen der Zukunft führen mich zu der Feststellung, dass wir bei allem Stolz auf Vielfalt und Dynamik dieser Einrichtung vor allem jene Menschen in den Mittelpunkt rücken müssen, für die die Dienststelle da ist, nämlich Menschen, die wegen ihrer körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen mehr Hilfe und Aufmerksamkeit brauchen, als andere. Es
sind die Menschen, denen unsere Gesellschaft gerne nachsagt, sie seien
schwächer oder „anders“. Ich betone immer wieder gerne: sie gehören in
die Mitte der Gesellschaft. Und sie gehören demzufolge heute in die
Mitte dieser Festveranstaltung. Die Dienststelle ist also kein
Selbstzweck und wir feiern uns heute auch nicht selbst, sondern 20 Jahre
Willens- und Wirkenskraft im Dienste von Menschen mit einer
Behinderung.Ganz wichtig ist der politische Stellenwert der Dienststelle für Personen mit Behinderung. Sie kennen die Anliegen der behinderten Menschen, Sie wissen wo es in der Praxis hakt. „Nicht ohne uns über uns“ – um es mit dem Motto des Europäischen Jahres für Behinderte Menschen 2003 zu formulieren. Die Gründung der Dienststelle ist einer Gruppe von engagierten Menschen zu verdanken, die sich nicht mit den bestehenden Verhältnissen abfinden wollten. Eltern von behinderten Kindern, die Rat und Unterstützung bei anderen Betroffenen suchten. Im Wissen um die Fähigkeiten ihrer Kinder, aber auch getrieben von der Sorge: Was wird, wenn ich nicht mehr da bin? Ärzte und Fachleute, die sich auf diesem Gebiet engagierten. Es ging um ein anderes, ein komplettes Lebensmodell, das auch geistig behinderten Menschen ein so selbständiges Leben wie möglich sichern sollte. Ich kann den Pionieren, den Gründungsmüttern- und -vätern, gar nicht genug für diese Tatkraft danken, aber ich glaube, die größte Auszeichnung für Sie alle besteht darin, zu sehen, was aus Ihrer großartigen Initiative von damals geworden ist. Auch wenn das gerade Gesagte über allem steht und ich alle, aber auch wirklich alle in gleichem Maße für Ihren Einsatz würdige, möchte ich trotzdem zwei Menschen stellvertretend für alle anderen ganz besonders hervorheben, denn ohne sie gäbe es die Dienststelle heute nicht so, wie wir sie kennen: es war Ministerpräsident Karl-Heinz Lambertz, der vor allem die Anfänge der Behindertenpolitik von den 90er Jahren bis ins Jahr 2004 geprägt hat. Und dann ist natürlich der Direktor der Dienststelle, Helmut Heinen, die treibende Kraft, der Motor, ja sogar der visionäre Kopf für die Bewältigung von Herausforderungen und Problemen im Behindertenbereich, und das seit mehr als 20 Jahren! Der Weg der DPB wäre völlig anders verlaufen, hätte es nicht all jene Menschen gegeben, die sich über das übliche Maß hinaus für die Dienststelle eingesetzt haben, für sie gekämpft haben und sich auch manchmal Ärger wegen ihres Engagements eingehandelt haben. Für diesen Einsatz, den Sie alle gezeigt haben und auch noch in Zukunft an den Tag legen werden, möchte ich Ihnen allen aus tiefem Herzen Danke sagen. In diesen Dank schließe ich die hier Anwesenden und alle anderen, die heute nicht hier sein konnten, ausdrücklich ein. Bitte erhalten Sie sich diese Tatkraft, wenn es darum geht, Menschen mit einer Behinderung als das anzunehmen, was sie sind, nämlich Menschen wie Sie und ich, die uneingeschränkt an allen Bereichen der Gesellschaft teilhaben sollen. Meine sehr geehrten Damen und Herren, „Es ist normal, verschieden zu sein. Es gibt keine Norm für das Menschsein. Manche Menschen sind blind oder taub, andere haben Lernschwierigkeiten, eine geistige oder körperliche Behinderung – aber es gibt auch Menschen ohne Humor, ewige Pessimisten, unsoziale oder sogar gewalttätige Männer und Frauen.“ Richard von Weizsäcker ist mit diesen 1993 gesprochenen Worten oft zitiert worden. Selten hat jemand so plastisch beschrieben, dass das „Menschsein“ nicht von der Erfüllung bestimmter Normen abhängt. Aus diesem Bild vom Menschen lassen sich schnell Forderungen für den Umgang der Gesellschaft mit jedem Einzelnen ableiten. Teilhabe an der Gesellschaft ist eine der wichtigsten Forderungen. Teilhabe an Willensbildungsprozessen gehört dazu und besonders die Teilhabe am Berufsleben, an Einkommensmöglichkeiten, an Tätigkeiten, die das Selbstbewusstsein wachsen lassen. Wenn ich diese Logik weiterverfolge, dann müsste es selbstverständlich sein, dass Menschen mit einer Behinderung sich nicht an alle anderen anpassen müssen. Es muss ihnen erlaubt sein, sich so zu geben, wie sie sind. Es ist an uns, auf Menschen mit einer Behinderung zuzugehen und ihnen die Hand zu reichen. Wenn ich an vergangene Zeiten zurückdenke, dann hat unsere Gesellschaft doch bis heute einen spürbaren Fortschritt gemacht – bei allen Problemen und Einschränkungen, die es im täglichen Leben mit einer Behinderung noch immer gibt. Vor 20, 30 oder 40 Jahren war die Aufgeschlossenheit gegenüber behinderten Menschen alles andere als selbstverständlich. Behinderte Kinder wurden nicht selten von ihren Eltern versteckt - aus Scham, aber auch aus Angst. Und auf der anderen Seite haben Eltern oft den niederschmetternden Satz hören müssen: „Es tut mir Leid, aber Ihre Tochter oder Ihr Sohn kann wegen seiner oder ihrer Behinderung nicht an der geplanten Aktivität teilnehmen.“. Ich sage Ihnen heute: mit dieser ausgrenzenden Haltung muss Schluss sein! Auf dem Weg zu einer offenen, solidarischen und Teilhabe ermöglichenden Gesellschaft gibt es einen Meilenstein, ein Datum, das entscheidend dazu beitragen wird, die eben formulierten Ziel zu erreichen: am 11.03.2009 ist die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen auch vom Parlament der Deutschsprachigen Gemeinschaft offiziell verabschiedet worden. Am 2. Juli 2009 ist der Vertrag in ganz Belgien offiziell in Kraft getreten. Seither befassen wir uns in der DG noch intensiver mit dem Thema Barrierefreiheit. In Zusammenarbeit mit der DPB bin ich als zuständiger Minister für die Umsetzung der UN-Konvention in der Deutschsprachigen Gemeinschaft verantwortlich. Es liegt an uns, Buchstaben und Ideen in Taten und greifbare Ergebnisse zu verwandeln. Worum geht es im Wesentlichen? Jeder Mensch, ob mit einer Behinderung oder nicht, soll selbst über sein Leben bestimmen können. Schritt für Schritt werden wir auf diesem Weg in eine „inklusive Deutschsprachige Gemeinschaft“ vorangehen – aber der Weg ist noch lang! Barrierefreiheit ist ein zentrales Ziel in der Politik der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Deshalb sind wir auch stolz darauf, dass wir in den vergangenen Monaten und Jahren in diesem Bereich bereits vieles bewirken konnten – wissend, dass noch viel zu tun bleibt. Barrierefreiheit, meine sehr geehrten Damen und Herren, ist die Voraussetzung dafür, Menschen mit Behinderungen von Anfang an einbeziehen zu können. Der gemeinsame Besuch der Kinderkrippe nebenan und der Regelschule, die gleichberechtigte Teilhabe am allgemeinen Arbeitsmarkt, das eigenständige und selbstbestimmte Wohnen oder das unbehinderte Erleben von Freizeitangeboten, das alles ist nur möglich, wenn unsere Lebensumwelt barrierefrei gestaltet ist. Barrierefreiheit muss selbstverständlich mehr umfassen als den baulichen Bereich. Genauso wichtig ist eine barrierefreie Kommunikation oder die Barrierefreiheit technischer Produkte. Die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen gibt uns den nötigen Rückenwind, um Barrierefreiheit in diesem umfassenden Sinne herzustellen. Sie verpflichtet uns, die Normen und Richtlinien für eine barrierefreie Gestaltung weiterzuentwickeln. Meine sehr geehrten Damen und Herren, um zu verdeutlichen, welches Potential in der UN-Konvention steckt, möchte ich Sie gerne auf eine Zeitreise in die Zukunft mitnehmen. Stellen Sie sich vor, es sei der 23. Juni 2020. Gerade ist die Festveranstaltung „50 Jahre Dienststelle für Personen mit Behinderung“ im BRF-Funkhaus am Eupener Kehrweg zu Ende gegangen. Der BRF wurde bei dieser Feier als barrierefreie Medienanstalt des Jahres ausgezeichnet. Als erste belgische Fernsehanstalt benutzt der BRF durchgängig Audiodeskription für das Bildmaterial und untertitelt dank einer genialen neuen Software automatisch alle Fernsehsendungen. Auf dem Weg nach draußen fällt uns das neue Leitsystem für blinde und sehbehinderte Menschen auf. Es sieht hochwertig aus und ist für sehende Menschen gut zu erkennen, für blinde und sehbehinderte Menschen ist es eine große Unterstützung. Das ist eine Zukunftsvision. Schauen wir auf das, was da vielleicht noch kommt. Blicken wir also noch einmal in das Jahr 2020: Der europäische Architektur- und Gestaltungsverband hat inzwischen den renommierten „Design für Alle“ Wettbewerb etabliert. Mittlerweile ist es bei allen angesehenen Planungsbüros Standard, an diesem Wettbewerb teilzunehmen. Nach gültigem europäischem Recht wird bei Auftragsvergaben die barrierefreie Gestaltung vorausgesetzt. Diejenigen Planerinnen und Planer, die das barrierefreie Design immer noch nicht ausreichend berücksichtigen, haben erhebliche Schwierigkeiten, öffentliche und private Aufträge zu bekommen. Da
das Thema Barrierefreiheit laut dieser virtuellen Reise, auf die ich
Sie mitgenommen habe, bis 2020 auch in der Ausbildung an den Hochschulen
und Berufsschulen fest verankert ist, wird sich dieses Problem jedoch
spätestens mit der nächsten Generation von Planerinnen und Planern und
von Handwerkerinnen und Handwerkern von selbst gelöst haben.Doch zurück zum BRF-Funkhaus. Es ist ja immer schwierig, sich in einer ungewohnten Umgebung zurechtzufinden. Wo war noch die Bushaltestelle, von der aus es zum Eupener Bahnhof geht? Zum Glück kann uns die blinde Besucherin des BRF-Funkhauses weiterhelfen. Sie hat eines dieser praktischen Blindenleitgeräte, die 2019 erstmals auf den Markt gekommen sind und die ein leicht handhabbares Navigationssystem mit dem Blindenstock verbinden. Eine fühlbare Richtungsanzeige im Blindenstock zeigt ihr problemlos den Weg zur Bushaltestelle. Wir folgen ihr und passieren die mittlerweile zum Standard gewordenen Straßenquerungen, die sowohl eine Orientierungskante für blinde und sehbehinderte Menschen, als auch eine Nullabsenkung für Menschen mit Rollstuhl oder Rollator haben. Mittlerweile ist der Niederflurbus der DG-Nahverkehrsgesellschaft vor dem BRF-Funkhaus angekommen – mit serienmäßiger herausfahrbarer Rampe an der Tür. Kaum jemand kann sich heute noch vorstellen, wie umständlich es früher – vor 10 Jahren noch – war, über Stufen in den Bus einzusteigen. Am Bahnhof in Eupen angekommen, führen uns großformatige Piktogramme zu einem der neuen Serviceautomaten der SNCB. Durch die Piktogramme können sich auch geistig behinderte Menschen und Menschen mit einer Leseschwäche besser zu Recht finden. Mit der Ausgabeoption „stehend oder sitzend“ gibt der Automat uns ganz unkompliziert unsere Fahrchips heraus. Auf seinem kontrastreich gestalteten Display, das man auch auf taktilen Modus umstellen kann, bietet er uns zudem einen Kaffee vor der Fahrt nach Brüssel an. Selbstverständlich können sehbehinderte und blinde Menschen den Fahrkarten-Automaten auch über das Spracherkennungssystem bedienen und sich Fahrplanhinweise als Audio-Version anhören. Da rollt auch schon unser Zug ein. Alle Züge haben inzwischen leicht bedienbare Einstiegshilfen. Um diese Lifts zu bedienen, ist keine fremde Hilfe mehr durch eine Zugbegleiterin oder einen Zugbegleiter erforderlich. Den Menschen wird zugetraut, einen Fahrstuhl allein zu bedienen. Endlich auf unserem Platz angekommen, werfen Sie einen Blick in Ihre elektronische Tageszeitung. „Soll ich die Leseversion oder die Hörversion nehmen?“ überlegen Sie sich. Sie entscheiden sich für die Leseversion in leichter Sprache und genießen die angenehme Fahrt nach Brüssel, das übrigens immer noch Hauptstadt des Föderalstaates Belgien ist… Trotz aller Zukunftsvisionen und Technik-Verliebtheit: hier soll nicht der falsche Eindruck entstehen, dass allein technische Neuerungen die gesellschaftliche Eingliederung von Menschen mit einer Behinderung voranbringen. Das was vor allem zählt, ist eine menschliche Gesellschaft. Eine Gesellschaft, die Menschen mit Behinderung akzeptiert und in ihre Mitte nimmt. Meine sehr geehrten Damen und Herren, diese Zeitreise war nur ein kurzer Ausflug in eine barrierefreie Zukunft im Sinne der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Sie haben auch bemerkt, wie viele Bereiche vom Thema „Barrierefreiheit“ betroffen sind. Es geht hier nicht ausschließlich um Behindertenpolitik im eigentlichen Sinne. Wir sprechen von einer „Querschnittsaufgabe“ – von einer Aufgabe also, die weit über den Kernbereich der Bedürfnisse behinderter Menschen hinausgeht. Ein Handeln, das nicht nur eine enge Vernetzung innerhalb der Zuständigkeitsbereiche der Deutschsprachigen Gemeinschaft, sondern ebenfalls mit Verantwortlichen des Föderalstaates, der Wallonie, Flanderns und auch mit Partnern aus dem Ausland erfordert. Mit der UN-Konvention wird der Paradigmenwechsel in der Politik für behinderte Menschen auf internationaler Ebene umgesetzt. Ich kenne kein Politikfeld, in dem so oft – und wie ich finde auch zu Recht – von einem Paradigmenwechsel gesprochen wird, wie in der Politik für und mit Menschen mit Behinderungen. Der Paradigmenwechsel besteht für mich darin, dass Menschen mit Behinderungen zu Expertinnen und Experten in eigener Sache werden, ihr Leben selbst bestimmen und gleichberechtigt gestalten. Nicht das individuelle Schicksal von behinderten Menschen steht im Vordergrund, sondern die Barrieren in unserer Gesellschaft. „Behindert ist man nicht, behindert wird man“, dieser Satz verdeutlicht das Anliegen der UN-Konvention. Behinderung wird als normaler Teil menschlichen Lebens und als Quelle des Reichtums einer Gesellschaft verstanden. Mir sind vor allem zwei Aspekte der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen wichtig: • Die einzelnen Menschen mit Behinderungen, die Individuen, müssen vor Einschränkungen ihrer Freiheiten durch den Staat geschützt werden. • Gleichzeitig muss die strukturelle Ausgrenzung behinderter Menschen verhindert und somit das Recht auf gesellschaftliche Einbeziehung gestärkt werden. Der Gedanke der vollen und wirksamen gesellschaftlichen Teilhabe und Einbeziehung ist in der UN-Behindertenrechtskonvention deutlicher und konsequenter enthalten als in den bereits gültigen Menschenrechtskonventionen. Gesellschaftliche Strukturen und Lebensräume sind so zu gestalten und zu verändern, dass sie der realen Vielfalt menschlicher Lebenslagen – gerade auch von Menschen mit Behinderungen – von Anfang an besser gerecht werden. Die Umsetzung der UN-Konvention wird dazu führen, dass behinderte und nicht behinderte Menschen einander mit mehr Respekt und Wertschätzung begegnen. Ein Klima der Diskriminierung, das auch durch Unsicherheit, Fremdheit und Ängste verursacht wird, soll damit verhindert werden. Barrieren im Alltag von behinderten Menschen betreffen alle Lebensbereiche. Solange im Jahr 2010 behinderte Menschen nicht vernünftig reisen können, weil Bahnen und Busse veraltet sind und keine entsprechenden Hilfen haben. Solange ein behinderter Mensch sich im Internet nicht zu Recht finden kann – solange haben wir noch sehr viel zu tun. Teilhabe ist erst dann Realität, wenn sie nicht mehr eingefordert werden muss, sondern selbstverständlich ist. Ich beobachte immer wieder, dass hier noch viel zu wenig in Chancen gedacht wird: Ein Verkehrsbetrieb, der in behindertengerechte Ausstattung seiner Fahrzeuge investiert, schafft nicht nur lebenswerte Bedingungen für Menschen mit einer Behinderung, sondern auch für ältere Menschen und Familien. In einen Fahrstuhl mit breiter Tür passt eben nicht nur der Rollstuhl, sondern auch der Kinderwagen. Wenn wir hier Wege bereiten, Normalität erzeugen und die letzten Barrieren beseitigen, dann können wir die ganze Vielfalt, ja Schönheit des Zusammenlebens genießen. Viele von uns wissen gar nicht, wie lebenswert und bereichernd das Leben mit Menschen mit einer Behinderung sein kann. In einer Gesellschaft, in der diese Menschen nicht fremd sind, in der es normal ist, dass behinderte und nicht-behinderte Kinder gemeinsam in eine Kinderkrippe oder in eine Schule gehen und vielleicht später im selben Unternehmen arbeiten – in einer solchen Gesellschaft können alle Menschen, stärkere und schwächere, gut leben. Darum ist die Inklusion behinderter Menschen so wichtig. Barrierefreiheit, meine sehr geehrten Damen und Herren, ist der Schlüssel für eine offene Gesellschaft. Davon können wir alle profitieren. In diesem Sinne wünsche ich der Dienststelle für Personen mit Behinderung eine glückliche Zukunft – weit über den eben angesprochenen 30. Geburtstag der Dienststelle hinaus! Ich gratuliere noch einmal zum 20-jährigen Bestehen der Dienststelle und freue mich über das Privileg, dass ich diesen Tag durch meinen Redebeitrag mitgestalten durfte. Ihnen allen danke ich erneut für Ihre Leistungsbereitschaft, Ihre Geduld und Ihre Hingabe, die Sie tagtäglich zeigen, um den Weg in eine solidarische Gesellschaft zu ebnen. Jede noch so kleine Initiative ist ein Mosaikstein für eine umfassende gesellschaftliche Teilhabe. Wir möchten unser Angebot und die Strukturen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft kontinuierlich weiter verbessern. Ich verspreche Ihnen an dieser Stelle: ich werde meinen Beitrag dazu leisten, damit dieses Ziel Wirklichkeit wird. Alle Menschen in der Deutschsprachigen Gemeinschaft, die guten Willens sind, rufe ich heute auf, an diesem Vorhaben mitzuwirken. Ich hoffe in den kommenden Jahren auf viele gute Gespräche und Diskussionen mit Ihnen und Ergebnisse, die uns und die Menschen, für die wir da sind, weiter voranbringen. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
|
|
|||||||||||||||||||||||
|
Home | Über uns | Angebote | Zugänglichkeit | UN-Konvention | Links | Kontakt Impressum | Datenschutz |
|